Gebrauchte Schachcomputer: Saitek Kasparov, Mephisto, Novag und Chess Challenger im Überblick
Hinter einem elektronischen Schachspiel Kasparov steckt ein Schachcomputer der Marke Saitek, die ab 1987 eine Modellreihe unter dem Namen des Weltmeisters vertrieb. Gemeinsam mit Mephisto, Novag und Fidelity (Chess Challenger) prägte Saitek den Markt der 1980er- und 1990er-Jahre. Solche Geräte tauchen heute auf dem Gebrauchtmarkt auf, wo vor allem ihr historischer und nostalgischer Reiz zählt, denn ein neueres Modell spielt deutlich stärker.
Eigenständiger Schachcomputer: Gerät, das dank eines in seinem Speicher abgelegten Programms Schach spielt, ohne Computer und ohne Verbindung. Der Spieler zieht die Figuren auf einem Brett mit Sensoren, die Maschine berechnet ihre Antwort und zeigt sie über Leuchtdioden oder ein Display an, und der Spieler führt den gegnerischen Zug von Hand aus.
Elektronisches Schachspiel Kasparov, Mephisto, Novag: die Marken in einer Tabelle
Das elektronische Schachspiel kam Ende der 1970er-Jahre in den USA auf; danach übernahmen Europa und Hongkong. Die Tabelle fasst die Marken zusammen, die einem auf dem Gebrauchtmarkt am häufigsten begegnen.
| Marke | Herkunftsland | Bedeutende Zeit | Wichtige Modelle |
|---|---|---|---|
| Fidelity Electronics | USA (Chicago, später Miami) | 1977 bis Ende der 1980er-Jahre | Chess Challenger, Chess Challenger 7 |
| Saitek (SciSys bis 1987) | Hongkong | 1979 bis 2000 | Kasparov-Reihe, darunter GK 2000 (1992) und GK 2100 (1993) |
| Mephisto (Hegener + Glaser) | Deutschland (München) | 1980 bis 1994, danach unter Saitek | Brikett, dann die Module mit den Programmen von Richard Lang |
| Novag | Hongkong | 1978 bis 2009 | Constellation (1983), Citrine (2006) |
| Conchess (Consumenta) | Deutschland, schwedisches Programm | Anfang der 1980er-Jahre | Conchess, programmiert von Ulf Rathsman |
Fidelity und der Chess Challenger, der Pionier von 1977
Der Chess Challenger von Fidelity Electronics gilt als erstes im Handel erhältliches elektronisches Schachspiel. Vorgestellt wurde er im Januar 1977 auf der Unterhaltungselektronik-Messe in Chicago; Wikipedia nennt eine erste Serie von etwa tausend Stück. Der 1979 erschienene Chess Challenger 7 ist das Modell dieser Familie, das man auf Flohmärkten am häufigsten findet: kompaktes Gehäuse, Tastatur zur Zugeingabe und kleines Display.
Fidelity gewann anschließend Anfang der 1980er-Jahre mehrere Weltmeistertitel der Schach-Mikrocomputer, bevor es 1989 vom deutschen Unternehmen Hegener + Glaser, dem Hersteller von Mephisto, übernommen wurde. Für Sammler ist der Chess Challenger vor allem ein Zeitzeuge: Mit ihm beginnt die ganze Geschichte, die diese Seite erzählt.
Saitek und die Kasparov-Reihe
Saitek wurde 1979 in Hongkong von dem aus der Schweiz stammenden Eric Winkler unter dem Namen SciSys gegründet, den die Firma bis 1987 trug. Die Zusammenarbeit mit Garry Kasparov begann 1983, und ab 1987 steht der Name Kasparov auf den Geräten. Das erklärt, warum so viele nach „elektronisches Schachspiel Kasparov“ suchen: Der Name des Weltmeisters prangte auf Dutzenden Modellen, vom kleinen Reisegerät bis zum Tischbrett mit Leuchtdioden.
- Kasparov GK 2000 (1992): Programm von Frans Morsch, eines der in Europa am weitesten verbreiteten Tischmodelle.
- Kasparov GK 2100 (1993): sein direkter Nachfolger.
- Taschen- und Reisemodelle: zahlreich, oft mit Druckbrett und kleinen Magnetfiguren.
1994 übernahm Saitek Hegener + Glaser und damit die Marke Mephisto. Danach wechselte die Sparte mehrfach den Besitzer: Mad Catz erwarb Saitek 2007, 2016 übernahm Logitech die Marke, und zwar wegen des Flugsimulator-Zubehörs, nicht wegen des Schachs.
Mephisto, die Marke aus München
Hegener + Glaser wurde 1969 in München von Manfred Hegener und Florian Glaser gegründet, zunächst zur Herstellung von Halbleitern. Den Namen Mephisto gibt es seit 1980 mit einem ersten Modell, das „Brikett“ hieß. Der gute Ruf der Marke geht vor allem auf die Programme des Briten Richard Lang zurück: Mit seinen Engines holte Mephisto von 1984 bis 1990 die Weltmeistertitel der Schach-Mikrocomputer.
Nach der Übernahme durch Saitek 1994 gründete Manfred Hegener Mitte der 1990er-Jahre die Firma Millennium, die bis heute in der Nähe von München sitzt. Die Linie zwischen den Epochen ist direkt: Millennium vertreibt heute wieder Computer unter dem Namen Mephisto, etwa den Mephisto Phoenix, und der ChessGenius setzt auf das Programm von Richard Lang. Wer den Geist von Mephisto schätzt, aber ein neues Gerät möchte, findet Näheres auf unserer Seite zur Millennium-ChessGenius-Reihe.
Novag, von der Constellation zur Citrine
Novag wurde 1978 in Hongkong gegründet. 1981 kam der amerikanische Programmierer David Kittinger hinzu und schrieb mehrere der bekanntesten Engines des Unternehmens. Zwei Modelle begegnen einem in Kleinanzeigen immer wieder:
- Novag Constellation (1983): ein Klassiker der 1980er-Jahre mit Sensorbrett und Leuchtdioden.
- Novag Citrine (2006): eine der letzten Schöpfungen der Marke, bei Liebhabern wegen ihrer Verarbeitung und ihrer Anschlüsse gefragt.
2009 wurde das Unternehmen verkauft. Novag-Modelle sind bei Sammlern weiterhin beliebt, doch Ersatzteile (Figuren, originale Netzteile) sind rar geworden.
Wie funktioniert ein Schachcomputer?
Die meisten Tischcomputer jener Zeit funktionieren nach einem einfachen Prinzip. Unter jedem der 64 Felder sitzt ein Reed-Schalter (Schutzgaskontakt), und jede Figur enthält einen Magneten. Wird eine Figur angehoben oder aufgesetzt, öffnet oder schließt sich der Kontakt. Das Gerät erkennt die Art der Figur nicht: Es geht von der Grundstellung aus und verfolgt die Bewegungen Feld für Feld. Einfachere Modelle verwenden stattdessen eine druckempfindliche Membran: Dort drückt man erst auf das Ausgangsfeld und dann auf das Zielfeld.
Bei der Berechnung durchsucht das Programm einen Baum möglicher Züge und bewertet die erreichten Stellungen. Das sogenannte Alpha-Beta-Verfahren, eine Verfeinerung des Minimax-Algorithmus, erlaubt es, Zweige zu verwerfen, die das Ergebnis nicht mehr verändern können, und so mit einem bescheidenen Prozessor tiefer zu rechnen. Deshalb konnten diese Maschinen schon mit wenigen Kilobyte Speicher ordentlich spielen.
Einen gebrauchten Schachcomputer kaufen: die Checkliste
Ein altes Gerät hat womöglich dreißig Jahre auf dem Dachboden oder im Keller verbracht. Kontrollieren Sie vor dem Kauf diese Punkte:
- Das Batteriefach: Vergessene Batterien laufen aus und zerfressen die Kontakte. Lassen Sie sich ein Foto des geöffneten Fachs schicken.
- Alle Felder: Bei einem Sensorbrett kann ein Schalter defekt sein. Der Verkäufer sollte eine Partie von einigen Zügen vorführen können.
- Die Leuchtdioden und das Display: Eine erloschene Reihe oder Linie von Leuchtdioden macht das Gerät mühsam in der Benutzung.
- Alle 32 Figuren: Oft fehlt ein Bauer oder eine Dame. Bei einem Brett mit Magneten muss eine Ersatzfigur einen Magneten enthalten.
- Die Stromversorgung: Viele Tischmodelle nutzen ein spezielles Netzteil. Kontrollieren Sie Spannung und Polarität, bevor Sie ein Ersatznetzteil anschließen.
- Die Anleitung: Ohne sie sind die Tastenkombinationen (Stufen, Zugrücknahme, Stellungsaufbau) kaum zu erraten.
Sammlerstück oder Trainingsgerät?
Wer aus Nostalgie kauft, wird an einem Mephisto oder Kasparov in gutem Zustand viel Freude haben. Wer dagegen besser werden will, fährt mit einem neueren Gerät besser: Es spielt stärker, bietet feiner abgestufte Stufen, Hilfen für Einsteiger und mitunter eine Anbindung an Lichess oder Chess.com. Ein Beispiel dafür ist der The King Performance, der direkte Erbe der deutschen Schule. Einen Eindruck vom heutigen Angebot vermittelt das Sortiment eines Fachgeschäfts: Dort können Sie einen neuen Schachcomputer von heute mit Ihrem Fund vom Flohmarkt oder aus der Kleinanzeige vergleichen. Alte Geräte lassen sich übrigens häufig auf Flohmärkten, in Kleinanzeigen und bei Sammlern im deutschsprachigen Raum finden; Zustand und Echtheit sollten Sie aber stets am besten persönlich prüfen.
Häufige Fragen
Wie funktioniert ein Schachcomputer?
Das Brett erfasst die Bewegungen über Sensoren unter jedem Feld (Magnetschalter oder Druckmembran). Das Programm durchsucht die möglichen Züge, bewertet die Stellungen mit einer Suche vom Typ Alpha-Beta und zeigt seinen Zug dann über Leuchtdioden oder ein Display an.
Was war das erste elektronische Schachspiel?
Der im Januar 1977 in Chicago vorgestellte Chess Challenger von Fidelity Electronics gilt als das erste im Handel erhältliche elektronische Schachspiel.
Warum tragen so viele elektronische Schachspiele den Namen Kasparov?
Saitek arbeitete ab 1983 mit Garry Kasparov zusammen und verwendete die Marke Kasparov ab 1987 für seine Schachcomputer, sowohl bei Taschen- als auch bei Tischmodellen.
Wo findet man die Bedienungsanleitung eines elektronischen Schachspiels Kasparov?
Saitek besteht in der ursprünglichen Form nicht mehr. Anleitungen findet man vor allem auf Sammlerseiten und in Foren zu Schachcomputern: Suchen Sie mit dem genauen Modellnamen, der auf der Unterseite des Geräts steht.
Spielt ein alter Mephisto gut?
Die besten Mephisto waren zwischen 1984 und 1990 Weltmeister der Mikrocomputer. Für Gelegenheitsspieler bleiben sie gefährlich, doch ein heutiges Gerät ist deutlich stärker und praktischer.